Erfolgreicher Auftakt der Bürger*innenräte Dialog und Beteiligung

Am Freitag, 2. Oktober 2026 starteten die Bürger*innenräte Dialog und Beteiligung mit einem gemeinsamen Auftakt. Der gemeinsame Austausch und zwei Expert*inneninputs zu lokalen Medien und der Gestaltung öffentlicher Räume für Beteiligung gaben einen Anstoß für die kommenden Sitzungen in Floridsdorf und Ottakring. Die Anmeldung für Interessierte ist weiterhin möglich!

Was motiviert zu Dialog und Beteiligung im Bezirk?

22 interessierte Wiener*innen aus den beiden Bezirken Floridsdorf und Ottakring und darüber hinaus kamen am Freitag, 2. Oktober am Abend in der VHS am Sophienpark beim Westbahnhof zusammen, um sich einen Einblick in den Prozess der Bürger*innenräte zu verschaffen und gemeinsam zu reflektieren, wie Dialog und Beteiligung auf Bezirksebene gelingen können.

Gleich zu Beginn stand bereits der gemeinsame Austausch im Zentrum: In nach den beiden Bezirken getrennten Kleingruppen teilten die Teilnehmenden ihre eigene Motivation, sich in einem Bürger*innenrat zu beteiligen und diskutierten ihre Erwartungen und Anliegen an die kommenden Sitzungen. In der gemeinsamen Ernte aus dem Kleingruppenaustausch im Plenum wurde die Motivation deutlich, zu mehr Austausch zwischen unterschiedlichen Communities, Gruppen und Grätzln im Bezirk beizutragen. Auch der Wunsch nach einer besseren, niederschwelligen Zugänglichkeit von Informationen vonseiten des Bezirks, wurde geäußert.

Sammlung von Themen für Ottakring
Sammlung von Themen für Floridsdorf

Förderung von Dialogräumen als Ziel der Bürger*innenräte

Nach diesem ersten Austausch stellten das Organisationsteam von COMMIT, Helmut Peissl und Andrea Sedlaczek, die Ziele und Hintergründe der Bürger*innenräte Dialog und Beteiligung näher vor. COMMIT hat 2025 als Teil eines europäischen Forschungsprojekts erfolgreich den österreichweiten Bürger*innenrat Medien und Demokratie veranstaltet, dessen Ergebnisse im Presseclub Concordia in Wien und im Europäischen Parlament in Brüssel präsentiert worden sind. Ausgehend von einer der Forderungen dieses Bürger*innenrats, lokale Dialogräume zu fördern, in denen sich Leute über verfestigte „Bubbles“ hinweg austauschen können, ist die Idee für die Bürger*innenräte Dialog und Beteiligung auf Bezirksebene entstanden.

Ein Vertreter des Bürger*innenrat Medien und Demokratie war beim ebenfalls als Gast anwesend und richtete sich mit einem Appell an die neuen Bürgerrät*innen: Nutzt die Gelegenheit, euch mit fremden Leuten auf gehobenen Niveau zu wichtigen Themen auszutauschen! Seine eigene Erfahrung im Bürger*innenrat hat ihm gezeigt: Dialog und Verständigung ist auch bei sehr unterschiedlichen Perspektiven und Meinungen möglich und bereichernd!

Beteiligung braucht Information

Anschließend gaben zwei kurze Inputs von Expert*innen Denkanstöße für die Themen, die in den kommenden Sitzungen der Bürger*innenräte zu Dialog und Beteiligung diskutiert werden.

Mag. Dr. Petra Herczeg vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien sprach über die Bedeutung von lokalen Medien für Information und Beteiligung im Bezirk. „Wer im Bezirk mitreden will, muss wissen, was im Bezirk passiert“ – von dieser Grundannahme ging sie aus und zeigte auf, welche Rolle lokale Medien dabei spielen. Petra Herczeg stellte auch die Bandbreite an existierenden Lokal- und Regionalmedien vor: Diese reichen von den großen Bezirkszeitungen und den wienweiten Angeboten des öffentlich-rechtlichen ORF über unabhängige Lokalmedien und Nachbarschaftsinitiativen, u. a. auch in den Sozialen Medien, bis zu amtlichen Informationen von Bezirk und Stadt.

Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Petra Herczeg von der Universität Wien spricht über die Bedeutung von lokalen Medien im Bezirk. Foto: COMMIT

Zum Weiterdiskutieren in den kommenden Sitzungen stellte Petra Herczeg drei Fragen an die Bürger*innenräte:

  • Woher erfahren Sie, was in Ihrem Bezirk passiert?
  • Wer oder was fehlt – welche Themen, welche Menschen?
  • Was bräuchte es, damit mehr Menschen mitreden können?

Studierende von Petra Herczeg aus ihrer Lehrveranstaltung „Sozialwissenschaften und Gesellschaft“ an der Universität Wien, werden die Bürger*innenräte in den einzelnen Sitzungen auch begleiten.

Von Information zur Kommunikation im öffentlichen Raum

Der Stadtsoziologe Prof. Christoph Reinprecht vom Institut für Soziologie an der Universität Wien erweiterte die von Petra Herczeg eröffnete Perspektive vom Informations- zum Kommunikationsbedürfnis im Bezirk: Er sprach über die Gestaltung von öffentlichen Räumen als Orte von Dialog und Begegnung. In seinem Input ging Christoph Reinprecht sehr praktisch anhand von Beispielen auf die Frage ein, was den öffentlichen Raum als Begegnungs- und Kommunikationsraum auszeichnet und was konkret getan werden kann, um diese Funktion zu stärken.

Dem Yppenplatz in Ottakring stellte Christoph Reinprecht etwa ein gemischtes Zeugnis dafür aus, wie Kommunikation und Begegnung dort über soziale Gruppen hinweg ermöglicht würde. Als positives Beispiel nannte er die kürzliche Umgestaltung des Volkertplatzes im 2. Bezirk: Dort würden sich die Bedürfnisse und unterschiedlichen Aneignungen verschiedener sozialer Gruppen besser vereinen lassen.

Stadtsoziologe Prof. Christoph Reinprecht zeigte anhand von Beispielen auf, wie öffentliche Räume gestaltet werden müssen, damit Leute miteinander in Dialog treten können. Foto: COMMIT

Vorschau auf die Sitzungen in den Bezirken

Am Samstag, 17. Oktober 2026 von 9–14 Uhr startet der Bürger*innenrat Floridsdorf in seine erste Sitzung. Eine Woche später, am Samstag, 24. Oktober 2026, folgt das erste Treffen des Bürger*innenrats Ottakring. In beiden Bezirken steht beim ersten Termin die Frage im Zentrum, welche Orte, Medien und Initiativen für Dialog und Beteiligung es im Bezirk bereits gibt, in welchen Bereichen diese fehlen, und was Kriterien für deren Erfolg oder Misserfolg sind.

Um Anregungen für die Diskussion zu geben, werden auch Vertreter*innen bestehender lokaler Medien und Initiativen eingeladen, diese zu Beginn der Sitzung vorzustellen. In Floridsdorf wird u.a. Hannes Neumayer von der Floridsdorfer Zeitung deren Arbeit als unabhängiges lokales Medium im Bezirk präsentieren, während in Ottakring die Initiatorin vom Ottakringer Flâneur bzw. Wiener Flâneur, Alexandra Folwarski, Einblicke in ihr Engagement für eine lokale Stadtzeitung gibt.

In Kleingruppen in einem World Café-Setting tauschen sich die Teilnehmenden anschließend über ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven zu Orten und Initiativen für Dialog und Beteiligung in ihrem Bezirk aus, die sie in einer gemeinsamen Kommunikationslandkarte festhalten.

In beiden Bezirken gibt es noch freie Plätze. Die Anmeldung für Interessierte ist nach wie vor möglich!